Memories and interviews

  DANCE AND POETRY
 

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Ich bin nur durch die Welt gerannt ;
Ein jed 'Gelüst ergriff ich bei den Haaren,
Was nicht genügte, liess ich fahren,
Was mir entwischte, liess ich ziehn.
Ich habe nur begehrt und nur vollbracht,
Und abermals gewünscht und so mit Macht
Mein Leben durchgestrürmt ;
erst gross und mächtig,
Nun aber geht es weise, geht bedächtig.
Der Erdenkreis ist mir genug bekannt,
Nach drüben ist die Aussicht uns verrannt ;
Tor, wer dorthin die Augen blinzelnd richtet,
Sich über Wolken seinesgleichen dichtet !
Er stehe fest und sehe hier sich um ;
Dem Tüchtigen ist diese Welt nicht stumm.
Was braucht er in die Ewigkeit zu schweifen !
(...)
Ja ! diesem Sinne bin ich ganz ergeben,
Das ist der Weisheit letzter Schluss :
Nur der verdient sich Freiheit wie dans Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Und so verbringt, umrungen von Gefahr,
Hier Kindheit, Mann und Greis sein tüchtig Jahr.
Solch ein Gewimmel möcht ich sehn,
Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.
Zum Augenblicke dürft ich sagen :
Verweile doch, du bist so schön !
Es kann die Spur von meinen Erdetagen
Nicht in Äonen untergehn. -
Im Vorgefühl von solchem hohen Glück
Geniess ich jetzt den höchsten Augenblick.



DER ZWEITE FAUST
(AKT V)
Johann Wolfgang von Goethe